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Elektromobilität wird die deutschen Autobauer nicht zerstören

Die deutschen Autobauer haben wahrlich schon bessere Zeiten gesehen. Zu den hausgemachten Problemen wie dem Dieselskandal gesellen sich große Veränderungen in der Branche.
Am weitesten fortgeschrittene ist die Elektromobilität. 

Genau hierzu bin ich mir ziemlich sicher: 
Die Elektromobilität wird weder die deutschen Automobilhersteller noch deren globale Positionierung zerstören.

Anders wirkt sich das Thema jedoch auf die Zulieferer aus. Das Elektroauto verlangt z.B. wesentlich weniger mechanische Wertschöpfungsanteile, dafür mehr Daten und Datenmanagement.

In dem Zusammenhang wird oftmals von Innovation und Disruption gesprochen. Selten wird erklärt was mit den Begriffen tatsächlich gemeint ist. Hier macht es nun Sinn über die unterschiedliche Arten von Innovationen zu sprechen.

Clayton Christensen differenziert zwischen disruptiven und evolutionären Innovationen. Bei evolutionären Innovationen ändert sich wenig. Kundengruppen und die Anforderungen der Kunden bleiben dabei beispielsweise deckungsgleich. Bei disruptiven Innovationen hingegen sind die Veränderungen umfassender. Die Produkteigenschaften, die den Kunden für ein bestimmtes Produkt begeistern verändern sich.

Disruptive Phänomene können die Märkte komplett verändern, die etablierten Martktführer mit hoher Wahrscheinlichkeit verdrängen:

  • Das Dampfschiff ersetzte das Segelschiff und schaffte eine neue Industrie.
  • Das Automobil hat das Pferd als privates Transportmittel abgelöst.
  • Der Transistor (eine Basistechnologie) hat viele disruptive Innovationen ermöglicht und wird das weiterhin durch leistungsfähige Mikroelektronik- und Prozessorsysteme tun.
  • Die Digitalfotografie hat die Fotografie des 35mm-Film ersetzt.
  • Downloadbare Musik machte die physische Tonträger wie CDs und Kassetten überflüssig.
  • Die LED-Lampe ersetzt die Glühlampe.
  • Tablet-Rechner und das iPad ersetzen PCs beim Konsum von Medien wie Musik und Filmen.
  • Die Versandapotheken verdrängen die traditionelle Apotheken.
  • Neue Online-Informationsdienste wie WhatsApp machen gedruckte Zeitungen und Zeitschriften überflüssig.
  • Wikipedia ersetzt die gedruckten Enzyklopädien.
  • Das Mobiltelefon verdrängt Telefone mit Festnetzleitung und macht Telefonzellen größtenteils überflüssig.
  • Cloud-Computing macht ganze Rechenzentren überflüssig.
  • Der Online-Händler Amazon hat den Buchmarkt nachhaltig verändert und expandiert weiter in neue Marktsegmente.

In Zukunft erwarte ich disruptive Innovationen zu folgenden Themen:

  • Bildung und Ausbildung sind teuer und treffen oftmals nichts die neuen und sich verändernden Bedürfnisse der Märkte und Volkswirtschaften.
  • Mit 3D-Druck werden neue Plattformen entstehen, die attraktive Geschäftsmodelle anbieten, und etablierte Hersteller (OEMs) verdrängen werden.
  • Das Internet der Dinge verspricht, eine Vielzahl von Disruptionen durch Vernetzung zu ermöglichen.
  • Es wird mehr Dienste wie Uber und Airbnb geben, die den Nutzungsgrad von privaten Sachgütern durch Vermittlungsplattformen erhöhen.
  • Viele Finanzdienstleistungen werden sich in den kommenden Jahren radikal verändern.
  • Makler leben von ihrem Informationsmonopol. In Zeiten des Internets ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Prozesse durch effizientere Lösung ersetzt werden.
  • 5G Funknetze bieten viele neue Innovationen an.
  • Gesundheit und Pflege weisen große Defizite auf und werden durch digitale Lösungen verdrängt werden. Mit Nui wird z.B. die ganze Familie in die Betreuung, in den Pflegeprozess eines geliebten Menschen eingebunden. Pflegeaufgaben sind an einem Ort gesammelt, und alle können sich jederzeit einbringen.

Disruptive Veränderungen starten meist als verrückte Dinge, von denen jeder zunächst glaubt, dass sie niemals funktionieren werden.
Diese Produkt-Moonshots wie i-Pod, Smartphones, Tablets, smarte Uhren, kabellose Kopfhörer oder bald vielleicht smarte Brillen, werden dann überraschend schnell weltweite Verbreitung finden.
Bahcall schreibt in seinem Buch Loonshots , dass ein Unternehmen, wenn überhaupt, meist nur einen dieser Moonshots in seiner DNA verfügbar hat.

FAZIT:

Sowohl mit Blick auf die Innovationstheorien von Bahcall als auch aus der Sicht von Christensen sehe ich gute Chancen, dass die deutschen Autobauer, die Elektromobilitätsrevolution meistern werden.

  1.  Erstens sind die Verkaufsargumente beinahe deckungsgleich mit den bisherigen: Beschleunigung, Komfort, Reichweite und Verbrauch, sowie oftmals auch das Image, dass mit einer Marke erzeugt wird. 
  2. Zweitens zeigen die deutschen Automobilbauer seit Jahrzehnten zuverlässig, dass sie in der Lage sind die kontinuierlichen Produktinnovationen zu skalieren. Diese evolutionären Innovationen in hohen Volumina weltweit mit guter Qualität anzubieten.

Quellen:

Clayton M. Christensen „The Innovators Dilemma“ 
Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovationen verlieren

Loonshots
How to Nurture the Crazy Ideas That Win Wars, Cure Diseases, and Transform Industries

2 Comments

  1. Edgar Niklaus

    Ich denke auch nicht, dass die Elektromobilität die Autobauer zerstören wird. Schmerzhaft wird es für die vielen Mitarbeiter, die nicht mehr benötigt werden. Die Montage im Autowerk wird einfacher ebenso die Planung und Steuerung des Material. Denn wenn weniger Teile im Autos enthalten sind, reduziert sich auch die Planung. Tief treffen wird es die Zulieferindustrie. Die Motorenbauer, Getriebehersteller und Achsenhersteller und dieHersteller vieler anderer Komponenten.

    Ich bin aber auch der Meinung , dass die Elektromobilität noch nicht der richtige Weg ist. Ich würde neue Kraftstoffe, die bei Verbrennung kein CO2 emittieren. Solche Kraftstoffe gibt es schon. Außerdem würde ich die Brennstoffzelle mit H2 forcieren. Die aktuellen Kosten dafür sind nur deshalb so hoch, weil keine optimalen Stückzahlen produziert werden.

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